Vorsorge - Brille kann alles



Neue Ruhr Zeitung vom 23. Januar 2008

VORSORGE

Brille kann alles

KINDER. Eltern sollten bereits Säuglinge auf mögliche Sehschwächen untersuchen lassen.

DANIELA BRAUN
Tom (5) sitzt am Mittagstisch. Vor ihm ein Teller mit Nudeln und roter Soße. Lecker! Ran ans Besteck. Er kneift sein rechtes Auge zu, hält den Kopf schief, greift unsicher nach dem Löffel. Dann beginnen seine Augen zu tränen. Toms rechtes Auge ist schwach. Fast ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen bis zu einem Alter von 14 Jahren leidet unter massiven Sehmängeln. Die Folge: Sie haben oft Schwierigkeiten in der Schule, verlieren mehr und mehr das Augenlicht. Das Problem: Die Schwäche bleibt meist unbemerkt, weil sie kaum auffällt. Und wenn es auffällt, ist es meist zu spät.

Frühzeitig zum Kinderarzt

Viele Eltern gehen mit ihren Kindern nicht rechtzeitig zum Arzt. Sie wissen nicht, dass ein solcher Besuch schon ab dem Säuglingsalter Pflicht sein sollte. „Denn nur der Arzt kann die Sehschwäche erkennen“, sagt die Mülheimer Optikerin Birgit Rettinghaus. Und erst dann können die Eltern handeln -ganz nach dem Motto: „Das eine Auge ist zu faul zum Gucken, das müssen wir jetzt wachrütteln.
Zusammen mit dem Arnold Multimediacentrum, der Augenklinik und dem Wodo-Puppenspiel hat Birgit Rettinghaus deshalb die Kampagne „Brille kann alles“ ins Leben gerufen. Die soll Kindern von der Kita bis zur dritten Klasse Spaß machen und ihre Eltern aufklären:
„Sehnerven, die einmal abgetötet sind, kann man nicht wiederherstellen“, erklärt Rettinghaus.
„Das war mir selbst alles gar nicht so bewusst“, ist Wolfgang Kaup-Wellfonder vom Wodo Puppenspiel erstaunt. Weil vielen das so geht, unterstützt er „Brille kann alles“ mit einem Puppenspiel. Die Premiere ist am Samstag, 26. Januar, um 15.30 Uhr im Ringlokschuppen. Danach tourt er mit der Alleskönner-Brille zu interessierten Schulen und Kindergärten. Der Wodo-Besuch ist für die Einrichtungen kostenlos. Stattdessen sollen Sponsoren in die Tasche greifen - die müssen sich allerdings noch finden. „50 000 Euro wird das Projekt wohl insgesamt kosten“, schätzt Kaup-Wellfonder.
Als Projekteinstieg erhalten Schulen und Kitas in den kommenden Tagen 10 000 Bücher mit der Geschichte „Brille kann anders“. Die Buchkosten hat Birgit Rettinghaus von Optik Kriewitz übernommen. Wer kein Buch erhält, und die Geschichte trotzdem lesen will, kann das im Internet tun, unter www.brille-kann-alles.de.

HINTERGRUND

So entsteht eine Sehschwäche: Normalerweise erhält die Netzhaut von jedem Auge ein Bild. Die setzt sie zu einem räumlichen Bild zusammen. Ist allerdings ein Auge geschwächt, wird nur das bessere Bild auf der Netzhaut abgebildet. Dadurch werden einige Zellen nicht mehr gereizt und sterben irreparabel ab.
Der Eintritt für die Premiere von „Brille kann alles“ am Samstag, 26. Januar (15.30 Uhr), ist kostenlos. Allerdings bittet das Wodo-Puppenspiel um Spenden für den Blindenverein.
Schulen und Kindergärten, die an einem Auftritt von „Brille kann alles“ interessiert sind, können sich unter
40 85 15 melden. Für jede Veranstaltung benötigt Wodo Sponsoren, die die Kosten von 450 Euro tragen.