Schielen oder Sehen lernen ?

Normalerweise wird jedes Auge von sechs Augenmuskeln in die Richtung des betrachteten Gegenstandes bewegt. Ein Schielen liegt dann vor, wenn die Sehachse eines Auges nicht auf das anzusehende Objekt gerichtet ist, sondern davon abweicht. Das liegt meist in einer unzureichenden Zusammenarbeit der Augen, deren Ursache Vererbung, Brechungsfehler oder anderes sein können. Schielen zeigt sich meist in den ersten Lebensjahren, in der Hälfte der Fälle schon in den ersten zwölf Lebensmonaten. Die Behandlung des Schielens fördert die richtige Zusammenarbeit beider Augen, was insbesondere für das räumliche Sehen wichtig ist. Meist ist dazu eine Brille notwendig, die den Schielwinkel verringert. Je nach Grad der Erkrankung ist eine Operation angezeigt, bei der die Augenmuskeln am Augapfel verlagert werden.
Man könnte annehmen, dass schielende Kinder Doppelbilder wahrnehmen. Das ist aber nur selten der Fall. Vielmehr wird häufig zur Verhinderung von Doppelbildern der Seheindruck eines Auges durch das Gehirn unterdrückt. Damit das Kind lernt, beide Augen zu nutzen und zu koordinieren, wird das „gute“ Auge zeitweise mit einem Spezialpflaster zugeklebt. So wird das andere Auge „trainiert“. Die Behandlung erfolgt nach einem vom Augenarzt individuell aufzustellenden strengen Zeitplan. Voraussetzung für deren Erfolg ist, dass man mit ihr so früh wie möglich beginnt. Im Alter von zwei Jahren kann noch bei über 80 Prozent der Fälle die volle Sehschärfe erreicht werden. Mit sechs Jahren nur noch bei 20 Prozent.